Großartiges Finale zum letzten Rupert Hollaus-Rennen
23. Internationales Rupert Hollaus Rennen / Racing Days am Red Bull Ring
von Fredi Pech

 

Racing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photographySpielberg – 1./2. August 2026. Mehr als 360 Starter aus zehn Nationen trafen sich am erstenAugust-Wochenende zum 23. Internationalen Rupert Hollaus Rennen / Racing Days am Red Bull Ring. In insgesamt 14 Klassen reichte das Starterfeld von historischen Vintage-Motorrädern über Youngtimer bis hin zu modernen Supersport- und Superbikes. Auch die Internationale Sidecar Trophy sorgte mit ihren Gespannen für spannende Rennaction.

Gleichzeitig war die Veranstaltung ein emotionaler Abschied: Für den Verein IGFC (IG Formel Classic) war es das letzte Rennen. Eine Fortführung der traditionsreichen Veranstaltung durch einen Nachfolger wird jedoch angestrebt.

Motorradgeschichte zum Anfassen

SomDucartist RH 2026 c Erich Muellegger e m01137 55445089932 omerliche Temperaturen und ein außergewöhnliches Teilnehmerfeld machten die Racing Days zu einer beeindruckenden Dokumentation der Geschichte des Motorradrennsports. Rund 100 Jahre alte Vintage-Motorräder,legendäre Rennmaschinen, Youngtimer sowie moderne Hightech-Supersportler und Superbikes begeisterten die Zuschauer.

Besonders beliebt waren die „Paraden der Legenden“ und die Ausstellung „Historische Rennmotorräder“. Die Besucher hatten freien Zugang zu Fahrerlager und Pitlane und konnten Fahrer und Motorräder hautnah erleben. Autogramme, Selfies und Benzingespräche mit den anwesenden Stars und Legenden gehörten ebenfalls zum Programm.

Bruno Kneubühler auf Honda RC 163 R

ERacing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photographyin besonderer Blickfang war der Schweizer Vizeweltmeister Bruno Kneubühler. Der dreifache Vizeweltmeister begeisterte auf einer Honda RC 163 R mit 250 ccm und Vierzylinder-Motor aus dem Jahr 1962.

Werner Haas-Experte Günter Weinhold brachte mit einer 100 Jahre alten Rex Acme das älteste teilnehmende Motorrad an den Red Bull Ring. Die Maschine ist mit einem 350 ccm Blackburne-Einzylinder-OHV-Motor ausgestattet. Weinhold präsentierte außerdem Bilder und Informationen über das ehemalige NSU-Rennteam „Haas-Hollaus“.

Auch der Norton Club Austria war mit historischen Maschinen vertreten, darunter eine Norton ES2 von 1948 und die ehemalige Rudi-Thalhammer-Norton Manx 30M.

Italienische Rennsportgeschichte in Spielberg

Ausstellung Ducartist RH 2026 c Alfred Pech IMG 8912Für Aufmerksamkeit sorgte auch Giuseppe Ioannoni aus Ingolstadt, der gemeinsam mit seinen Freunden zahlreiche berühmte und heute selten zu sehende Rennmaschinen präsentierte. Zu sehen waren unter anderem Motorräder von MV Agusta, Parilla, Honda, Paton, BMW und Ducati.

Erstmals war das italienische Rennteam „Ducartist“ bei der Veranstaltung vertreten. Als Botschafter der italienischen Motorradkultur präsentierten die Teilnehmer eine Benelli 500 GP Quattro, Ducati Superbikes, darunter ehemalige Bayliss-Maschinen, eine MV Agusta 500/3 GP, eine Gilera 500/4 GP sowie eine Ducati 175 Sport.

Moto Guzzi – Rennsportgeschichte von 1921 bis 1957

Ein Höhepunkt der historischen Ausstellung war die Sammlung von Giuseppe „Pino“ Todero aus Mandello del Lario. Der Sohn von Umberto Todero, einem der Ingenieure der legendären Moto Guzzi V8/500, brachte eine faszinierende Auswahl seltener Moto-Guzzi-Rennmaschinen nach Spielberg.

Angeführt wurde die Sammlung von der berühmten Moto Guzzi V8/500. Dazu kamen das fünffache Weltmeistermotorrad „Bialbero 350“ und die Weltmeistermaschine „Gambalunghino 250“. Damit konnten die Besucher einen eindrucksvollen Querschnitt durch die Rennsportgeschichte von Moto Guzzi aus den Jahren 1921 bis 1957 erleben.

Moped Grand Prix mit Puch, KTM und Vespa

Für viel Spaß sorgte der „50ccm-PUCH-KTM-VESPA-Moped Grand Prix“, der vom Puch-Museum Judenburg organisiert wurde.

Eine große Tomos-Gruppe war eigens aus Slowenien angereist. Die Teilnehmer gingen mit ihren Puch-Lizenz-Mopeds an den Start und sorgten damit für eine besondere Bereicherung des Veranstaltungsprogramms.

Sechster Sieg in Folge für Franky Zorn

Racing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photographyAuch auf der Rennstrecke wurde den Zuschauern einiges geboten. Franky Zorn lieferte sich in der Klasse bis 400 ccm ein packendes Rennen. Mit seiner Yamaha 350 YPVS verteidigte er seinen Sieg und stand damit bereits zum sechsten Mal in Folge beim Rupert Hollaus Rennen ganz oben auf dem Podest.

Die schnellste Zeit des Wochenendes fuhr Dominik Haslinger vom Team „Cheyenne Racing 371“. Mit seiner Kawasaki ZX-10R erreichte er eine Zeit von 1:33,76 Minuten und gewann die Klasse Superbike. Gefahren wurde ohne die MotoGP-Schikane.

Fairplay von Horst Saiger

Eine besondere Fairplay-Geste zeigte Horst Saiger. Nach einer beeindruckenden Vorstellung in der 750-ccm-Klasse auf seiner Kawasaki ZXR 750 verzichtete der Champion bei der Siegerehrung auf das Siegerpodest.

Saiger begründete seine Entscheidung damit, dass er keinen Originalmotor gefahren habe und sich deshalb des Sieges nicht würdig fühle. Den Platz überließ er Günter Mosshammer auf dessen Yamaha YZF 750R. Die Geste passte zur kollegialen und respektvollen Atmosphäre des Traditionsrennens.

Spannende Sidecar Trophy

Histor Seitenwagen RH 2026 c Erich MuelleggerMit 27 Gespannen war auch die Internationale Sidecar Trophy bestens besetzt. Im Goldlauf am Sonntag feierten die Deutschen Josef Sattler und Luca Schmidt ein beeindruckendes Comeback.

In der Klasse M1 bis 1000 ccm gewann das Duo auf einer ARS BMW 1000 beide Läufe. In der Klasse M2 bis 600 ccm siegten Eder/Kölsch auf einer ASR Yamaha 600. Für das deutsche Duo war der Erfolg zugleich eine gelungene Generalprobe vor dem bevorstehenden Debüt in der Seitenwagen-Weltmeisterschaft.

Die weiteren Sieger

Speedrennen

  • Vintage/Postvintage: Christian Mörschel – Ducati 750 SS Kw

  • bis 175 ccm: Helmut Sommer – Cagiva

  • bis 250 ccm: Werner Reuberger – Yamaha TZ 250

  • bis 500 ccm: Karl Schmidinger – Honda CBR 500

  • über 750 ccm: Anton Schofner – Ducati 888 Corse

  • Youngtimer bis 850 ccm: Manfred Wechselberger – Suzuki GSXR 750 SRAD

  • Youngtimer über 850 ccm: Klaus Mantl – Ducati 998 RS

  • Supersport: Daniel Höflinger – Honda Moto 2 GASGAS

  • Historische Seitenwagen, Renngespanne: Leon Nagel / Philippe Szendroi – BMW 1000

  • Historische Seitenwagen, Originale: Franz Barnsteiner / Leonie Barnsteiner – Haller BMW Kneeler

Ein emotionaler Abschied

Dankeschoen Rupert Hollaus Rennen 2026 c Alfred Pech 1Dankeschoen f 23 Rupert Hollaus Rennen 2026 c Alfred Pech 2









Die letzte Siegerehrung der Veranstaltung wurde zu einem besonders emotionalen Moment. Vertreter der Rennfahrer dankten Wolfgang Stropek und seinem gesamten Team für das langjährige Engagement.

Damit gingen 23 Jahre Rupert Hollaus-Rennen sowie zahlreiche weitere Veranstaltungen des IGFC zu Ende. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur historische und moderne Motorräder, sondern vor allem die besondere Atmosphäre im Fahrerlager und die Gemeinschaft der Menschen, die ihre Leidenschaft für den historischen Motorsport verbindet.

Für Wolfgang Stropek und sein Team ist nach 24 Jahren voller Leidenschaft, rund 80 ausgetragenen Rennen, Teilemärkten, Präsentationen und Ausstellungen nun Schluss. Alters- und gesundheitliche Gründe machen eine Fortführung der intensiven Organisation für das bisherige Team nicht mehr möglich. Gleichzeitig zeigt sich Stropek zuversichtlich, dass die IGFC-Veranstaltungen und insbesondere das Rupert Hollaus Rennen beziehungsweise die Racing Days weiterleben können.

Die Motoren sollen weiterklingen

Eine endgültige Zukunft des Rennens ist damit noch nicht ausgeschlossen. Wolfgang Stropek befindet sich nach Angaben der Presseinformation bereits in konkreten Gesprächen mit potenziellen Interessenten, die eine Fortführung der IGFC-Rennen ermöglichen könnten.

Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet.

23 Rennen – eine lange Geschichte

Die Geschichte des Rupert Hollaus Rennens begann bereits 2004. Ein Jahr zuvor hatte Wolfgang Stropek gemeinsam mit Oldtimer- und Motorsportfreunden den Verein IGFC gegründet. Ziel war die Pflege des Kulturguts historischer Motorsport und Oldtimer.

Das erste Internationale Rupert Hollaus Gedächtnisrennen fand 2004 als eintägige Gleichmäßigkeitsveranstaltung auf dem Salzburgring statt. Bereits damals waren Rennsportlegenden wie Jim Redman, Luigi Taveri, August Hobl, Dieter Braun und Rudi Thalhammer dabei.

2005 wurde die Veranstaltung auf zwei Tage erweitert. 2011 folgte der Wechsel auf den neu eröffneten Red Bull Ring. Das Konzept wurde dort um moderne Rennmotorräder erweitert. Im Laufe der Jahre waren zahlreiche internationale Rennsportlegenden zu Gast, darunter Giacomo Agostini, Phil Read, Freddie Spencer, Gianfranco Bonera, Heinz Rosner und Carlo Lavado.

Das Leitmotiv von Wolfgang Stropek und der IGFC lautete:

„Altes bewahren, die Geschichte des Motorsports als Kulturgut verständlich machen und als Wegweiser für die Zukunft positionieren.“

Wolfgang Stropek – eine Institution des österreichischen Motorsports

Wolfgang Stropek RH 2026 c Alfred Pech IMG 0185Wolfgang Stropek zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Classic- und Oldtimerszene. Er ist einer von nur vier Personen weltweit, die sowohl als Fahrer in der Soloklasse als auch in der Seitenwagenklasse Weltmeisterschaftspunkte erreicht haben.

1966 wurde Stropek österreichischer Staatsmeister, 1968 österreichischer Bergmeister auf einer Norton Manx 30M. Auch bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man war er mehrfach am Start. Zuletzt fuhr er 2018 im Alter von 73 Jahren bei der Southern 100. Bis heute ist er bei Klassikveranstaltungen mit einer Matchless G50 MK3 Seeley aktiv.

Ein würdiger Schlusspunkt

Das 23. Rupert Hollaus Rennen am Red Bull Ring war damit weit mehr als eine Rennveranstaltung. Es war ein Treffen von Rennfahrern, Sammlern, Enthusiasten und Freunden des historischen Motorsports – und gleichzeitig der emotionale Schlusspunkt einer über zwei Jahrzehnte währenden Ära.


Norton Manx 30M RH 2026 c Alfred PechRacing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photography

Racing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photographyVintage Kaczor BMW 500 1963 2026 c Erich Muellegger

Racing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photographyRacing Days 2026 - 23. Rupert Hollaus Rennen - © Christian Fuernholzer | fuernholzer photography

Fotos: fuernholzer photography, Alfred Pech, Erich Müllegger
Text: Alfred Pech
Quelle: IG Formel Classic (IGFC)


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