Easy Rider lebt!

AME Chopper Treffen in Höringhausen

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Wer hat in seiner Jugend nicht davon geträumt, mit einem Chopper den Highway hinunterzurollen – den Lenker lässig in den Händen, den Fahrtwind im Gesicht und irgendwo hinter dem Horizont das nächste Abenteuer? Spätestens als Easy Rider in die Kinos kam, schwappte die Chopper-Welle auch nach Deutschland.

Echte Hardcore Chopper blieben jedoch den amerikanischen Soldaten vorbehalten, weil die deutschen TÜV-Prüfer in ihren grauen Kitteln gar kein Verständnis für lange Gabeln oder breite Hinterreifen hatten. So blieb dem deutschen „Peter Fonda“ meist nur ein etwas höherer Lenker oder der Weg in die Illegalität. Auch mein Punktekonto in Flensburg füllte sich dank meines BMW-Choppers zusehends, doch legale Softchopper von der Stange waren nun wirklich keine Option. An dieser Stelle betrat Walter F. Cuntze die Bühne. Bereits ab 1973 bot seine Firma AME umfangreiches, meist chromblitzendes Zubehör an, um Serienmotorräder zu Choppern umzubauen. 1977 gelang Cuntze das Unmögliche. Eigene Extremchopperrahmen erhielten den Segen des TÜVs und wurden nun dem Publikum als Kit zum Selbstaufbau oder als Komplettmotorrad angeboten.

Preislich bewegten sich diese Maschinen auf dem Niveau einer Egli oder Bimota, weshalb viele Interessenten den billigeren Weg zur AME wählten und sich ihren Serienrahmen umtypen ließen, um nun nach und nach ihr Standardmotorrad mit vielen AME-Teilen zu veredeln.

Noch heute sind mehr als 1000 Maschinen des Herstellers AME zugelassen und viele andere stehen noch in den Garagen der Enthusiasten.

IMG 0958Vom 3. bis 5. Juli 2026 trafen sich junge und jung gebliebene AME-Fahrer in Höringhausen in der Nähe des Edersees.

Schon am Freitag rollten die ersten Maschinen auf den Platz. Lange Gabeln, hohe Lenker, blitzender Chrom und liebevoll restaurierte Originale standen neben individuellen Umbauten, die ihre Besitzer über Jahrzehnte weiterentwickelt haben. Der dumpfe Sound der V-Twins und Boxer mischte sich mit dem Brüllen der japanischen Fours, der Duft von Benzin und Grillkohle ebenso. Schnell wurde klar: Das hier ist kein beliebiges Motorradtreffen – das ist ein Familientreffen der AME-Gemeinschaft.

Zwischen den Maschinen entstanden sofort Gespräche. Alte Bekannte fielen sich in die Arme, neue Freundschaften wurden geschlossen und überall hörte man Geschichten aus einer Zeit, als AME den deutschen Chopperbau revolutionierte. Hier ging es nicht um an Stangen tanzende Schönheiten oder Pokale. Hier zählt die Geschichte hinter jedem Motorrad – und die Menschen, die sie weiterschreiben.

Am Samstag führte die traditionelle gemeinsame Ausfahrt die Teilnehmer durch die reizvolle Landschaft rund um Höringhausen. Eine scheinbar endlose Kolonne individuell aufgebauter Chopper zog über die Straßen und sorgte überall für staunende Gesichter. Wer den unverwechselbaren Klang, verbunden mit dem Glanz von Chrom und Lack dutzender AMEs gleichzeitig erlebt hat, versteht, warum Chopperfahren weit mehr ist als nur Fortbewegung – es ist ein Lebensgefühl.

IMG 0991Zurück auf dem Platz wurde der Grill wieder angeheizt. In geselliger Runde saß man zusammen, ließ den Tag Revue passieren und sprach über Motoren, Touren und die gemeinsame Leidenschaft. Genau diese Momente sind es, die das AME-Treffen so besonders machen. Nicht das Programm steht im Mittelpunkt, sondern die Gemeinschaft.

Als am Abend die Livemusik begann, verwandelte sich der Platz endgültig in ein großes Wohnzimmer unter freiem Himmel. Für einen besonderen Gänsehautmoment sorgte dabei eines der AME-Mitglieder, das selbst zum Mikrofon griff und mit seinem Gesang die Besucher begeisterte. Es wurde mitgesungen, getanzt und gelacht – bis weit in die Nacht hinein. Die Musik, das Knistern des Grills und die Gespräche zwischen den Motorrädern machten deutlich, dass hier weit mehr entstanden war als nur ein Treffen. Es war das Wiedersehen einer Gemeinschaft, die dieselbe Leidenschaft teilt.

Dass all dies möglich wurde, war vor allem Horst Simon zu verdanken. Mit großem persönlichen Einsatz organisierte er das Treffen und schaffte genau die Atmosphäre, die den besonderen Charakter dieser Veranstaltung ausmacht. Man spürt sofort, dass hier nicht einfach ein Event geplant wird, sondern ein Wochenende von Chopperfahrern für Chopperfahrer.

54113Ein ganz besonderer Moment war die Anwesenheit von Walter F. Cuntze selbst. Er ließ es sich nicht nehmen, persönlich auf das Clubgelände des MC Höringhausen zu kommen und sich unter die Teilnehmer zu mischen. Schnell bildeten sich immer wieder kleine Gesprächsrunden um den AME-Gründer. Geduldig beantwortete er Fragen zur Geschichte von AME, erzählte von den Anfängen des deutschen Chopperbaus und erinnerte sich an zahlreiche Begebenheiten aus den vergangenen Jahrzehnten.

Ebenso nahm sich Cuntze viel Zeit, technische Fragen der Teilnehmer zu beantworten. Ob Fahrwerksgeometrie, Rahmenkonstruktionen, historische Umbauten oder Lösungen für aktuelle Restaurierungsprojekte – mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung gab er wertvolle Tipps und erklärte Zusammenhänge, die man heute nur noch selten aus erster Hand erfährt. Für viele Besucher war dieser persönliche Austausch mit dem AME-Gründer ein ganz besonderer Höhepunkt des Treffens und eine einmalige Gelegenheit, Wissen direkt von einem der bedeutendsten Pioniere des deutschen Custombike-Baus zu erhalten.

Walter F. Cuntze hat die deutsche Custombike-Szene geprägt wie kaum ein anderer. Seine Motorräder sind mehr als Umbauten – sie sind Ausdruck von Freiheit, Individualität und handwerklicher Kreativität. Jahrzehnte später lebt dieser Geist noch immer. In jeder Maschine, in jedem Gespräch und in jedem Kilometer, den die Teilnehmer gemeinsam zurücklegen.

Das Treffen in Höringhausen zeigte eindrucksvoll, dass der AME-Spirit nichts von seiner Faszination verloren hat. Hier geht es nicht um kurzlebige Trends. Hier zählen ehrliche Motorräder, gute Freunde und Erinnerungen, die mit jedem Treffen ein Stück größer werden. Neben dem AME-Treffen in Höringhausen ist sicher auch das Vatertagstreffen beim Custom & Classic Fest in Huttenheim ein Anlass die gemeinschaftliche Verbundenheit zu pflegen.

Als am Sonntag die Motoren nach und nach wieder gestartet wurden und sich die Teilnehmer auf den Heimweg machten, blieb das Gefühl zurück, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Wer einmal beim AME Chopper Treffen dabei war, versteht schnell: Man kommt nicht wegen eines Programms wieder. Man kommt wegen der Menschen, der Geschichten – und wegen eines Lebensgefühls, das Walter F. Cuntze einst mitbegründete und das dank engagierter Organisatoren wie Horst Simon bis heute weiterlebt.


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Kodlin

Text: Wolfhart Krischke, Fotos: Horst Heiler, Wolfhart Krischke





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