James Albert „Jim“ Redman

Zum 95. Geburtstag einer Motorrad-Rennsportlegende

 

Am 8. November 2026 feiert James Albert „Jim“ Redman seinen 95. Geburtstag. Der Name des gebürtigen Engländers ist untrennbar mit der großen Erfolgsära von Honda in den 1960er-Jahren verbunden. Redman gehörte zu den herausragenden Motorradrennfahrern seiner Generation. Sechs Weltmeistertitel, 45 Grand-Prix-Siege und eine außergewöhnliche Vielseitigkeit machten ihn zu einem der erfolgreichsten Fahrer der Motorrad-Weltmeisterschaft.

Seine Karriere steht zugleich für eine besondere Epoche: die Zeit, in der japanische Hersteller mit enormem technischen Ehrgeiz in den europäischen Motorradsport vorstießen und Honda begann, die internationalen Rennstrecken zu dominieren.

Eine schwere Jugend – der Weg nach Rhodesien

James Albert Redman wurde am 8. November 1931 in Hampstead, einem Stadtteil von London, geboren. Seine Kindheit und Jugend waren von schweren Schicksalsschlägen geprägt. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte er die Bombenangriffe auf London. Später verlor er seinen Vater durch Suizid. Als seine Mutter starb, war Jim gerade 17 Jahre alt. Plötzlich musste er gemeinsam mit seiner älteren Schwester die Verantwortung für seine beiden jüngeren Zwillingsgeschwister übernehmen.

Mit 18 Jahren drohte ihm der Militärdienst. Um seine Familie nicht allein zurückzulassen, hatte er zunächst einen Aufschub erhalten. Als sich keine weitere Möglichkeit ergab, dem Militärdienst zu entgehen, entschloss er sich zu einem radikalen Schritt: Er wanderte 1952 nach Rhodesien aus, dem heutigen Simbabwe.

Dort begann ein völlig neuer Lebensabschnitt. Zunächst verdiente er seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Tätigkeiten. Über seine Bekanntschaft mit dem Rennfahrer John Love kam er schließlich zum Motorradsport. Love stellte ihm für erste Rennversuche eine Triumph zur Verfügung. Redman war begeistert und entwickelte schnell seinen Ehrgeiz.

Schon bald fuhr er erfolgreich auf südafrikanischen und rhodesischen Rennstrecken. 1958 gewann er die rhodesische 350-cm³-Meisterschaft. Damit war sein Wunsch geweckt, sich auch in Europa mit den besten Fahrern der Welt zu messen.

Die ersten internationalen Erfolge

IMG 47401958 reiste Redman nach Europa. Er startete zunächst auf Norton-Maschinen und machte sich bei internationalen Rennen einen Namen. Sein Debüt bei einem Weltmeisterschaftslauf gab er 1959 beim Großen Preis von Deutschland.

1960 gelang ihm ein bemerkenswerter Erfolg: Auf einer Norton gewann er den Großen Preis von Spanien in der 500-cm³-Klasse. Damit hatte er endgültig bewiesen, dass er auch gegen die etablierten Werksfahrer bestehen konnte.

Der entscheidende Schritt folgte durch Honda. Der japanische Hersteller suchte für sein immer stärker werdendes Werksteam erfahrene und zuverlässige Fahrer. Nachdem sich der Honda-Pilot Tom Phillis IMG 4741verletzt hatte, erhielt Redman 1960 die Gelegenheit, auf einer Honda anzutreten. Aus dieser zunächst kurzfristigen Zusammenarbeit entwickelte sich eine der erfolgreichsten Partnerschaften der Grand-Prix-Geschichte.

1961 wurde er Honda-Werksfahrer. Beim Großen Preis von Belgien gewann er seinen ersten Grand Prix für Honda in der 250er-Klasse.

Sechs Weltmeistertitel für Honda

Die Jahre 1962 bis 1965 wurden zur großen Zeit von Jim Redman. Er entwickelte sich zum wichtigsten Honda-Fahrer und war ein wesentlicher Bestandteil des internationalen Erfolgs der japanischen Marke.

Erfolge Redman

250er Rennen 1963 in HockenheimBesonders bemerkenswert waren die beiden Doppelweltmeisterschaften 1962 und 1963. Vier Jahre hintereinander dominierte Redman die 350er-Weltmeisterschaft.

Er war nicht nur schnell, sondern galt auch als technisch versierter Fahrer. Seine Fähigkeit, das Verhalten der Motorräder genau zu beurteilen und den Honda-Ingenieuren wichtige Rückmeldungen zu geben, war für die Weiterentwicklung der Rennmaschinen von großer Bedeutung.

Ein besonderes Kapitel: Die Honda-Sechszylinder

Honda baute 1964 die RC164 250er Sechszylinder Werksrennmaschine extra für Jim Redman1964 bekam Redman eine ganz besondere Aufgabe. Honda vertraute ihm die Weltpremiere der legendären 250-cm³-Sechszylinder-Rennmaschine RC164 an.

Die Honda RC164 war ein technisches Meisterwerk ihrer Zeit. Der extrem kompakte Sechszylindermotor konnte hohe Drehzahlen erreichen und verkörperte Hondas Anspruch, den Motorradsport auch mit außergewöhnlichen technischen Lösungen zu prägen.

Redman war der erste Fahrer, der diese spektakuläre Maschine im Grand-Prix-Sport einsetzte. Auch wenn er mit ihr keinen weiteren Weltmeistertitel erringen konnte, gehört diese Verbindung zu den faszinierendsten Kapiteln seiner Karriere.

Assen 1964 – drei Grand-Prix-Siege an einem Tag

Ein Höhepunkt seiner Laufbahn ereignete sich am 27. Juni 1964 beim Großen Preis der Niederlande auf dem traditionsreichen TT Circuit in Assen.

Redman gelang damals etwas, das in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft außergewöhnlich war: Er gewann an einem einzigen Tag drei Weltmeisterschaftsläufe – in den Klassen 125, 250 und 350 cm³.

Damit schrieb er Motorsportgeschichte. Diese Leistung unterstrich seine außergewöhnliche Vielseitigkeit. Redman konnte auf unterschiedlichen Motorradkonzepten und in verschiedenen Hubraumklassen gewinnen.

Er wurde 1964 für seine sportlichen Leistungen mit dem britischen Orden MBE (Member of the Order of the British Empire) ausgezeichnet.

Sechsmal Sieger bei der Tourist Trophy 

Neben seinen Weltmeistertiteln war Redman auch auf der Isle of Man außerordentlich erfolgreich.

Die Tourist Trophy gehörte damals zu den bedeutendsten und gefährlichsten Motorradrennen der Welt. Die anspruchsvolle Strecke über öffentliche Straßen verlangte den Fahrern höchste Konzentration und großes fahrerisches Können ab.

Redman gewann insgesamt sechsmal auf der Isle of Man:

  • 1963: Lightweight TT (250 cm³) und Junior TT (350 cm³)

  • 1964: Lightweight TT und Junior TT

  • 1965: Lightweight TT und Junior TT

Dreimal hintereinander gelang ihm damit das Double aus zwei TT-Siegen innerhalb einer Rennwoche.

1966 – Der Traum vom 500er-Weltmeistertitel

Jim Redman und die Honda 500 GP Rennmaschine 1966Nach seinen Erfolgen in den kleineren Klassen wollte Redman noch einmal eine neue Herausforderung annehmen: den Weltmeistertitel in der Königsklasse bis 500 cm³.

Honda stellte ihm dafür die neue Vierzylinder-Rennmaschine RC181 zur Verfügung. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Mike Hailwood sollte er die 500er-Weltmeisterschaft für Honda gewinnen

Der Auftakt verlief vielversprechend. Redman gewann die ersten beiden 500er-Weltmeisterschaftsläufe in Deutschland und den Niederlanden. Damit schien auch in der Königsklasse ein großer Erfolg möglich.

Doch beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps änderte sich alles. Bei strömendem Regen stürzte Redman mit hoher Geschwindigkeit. Er erlitt einen komplizierten Handgelenksbruch.

Obwohl er fünf Wochen später beim Ulster Grand Prix noch einmal einen Comebackversuch unternahm, war an eine Fortsetzung seiner Karriere nicht mehr zu denken.

Mit gerade einmal 34 Jahren beendete Jim Redman 1966 seine aktive Grand-Prix-Laufbahn. Der erhoffte 500er-Weltmeistertitel blieb ihm verwehrt.

Auch nach der Rennfahrerkarriere dem Motorsport verbunden

Nach seinem Rücktritt kehrte Redman nach Südafrika zurück. Er widmete sich geschäftlichen Tätigkeiten und blieb dem Motorradsport verbunden.

Jim Redman und sein rühriger Manager Rolf KorrmannBemerkenswert war seine Rückkehr auf die Rennstrecke im fortgeschrittenen Alter. 1995 nahm er im Alter von 63 Jahren wieder an einem Rennen auf dem Daytona International Speedway teil. Obwohl er nach langer Rennpause von einem hinteren Startplatz ins Rennen ging, gelang ihm ein Sieg.

Auch später war er bei Classic-Rennveranstaltungen und historischen Motorradtreffen ein gern gesehener Gast. Seine Erinnerungen an die große Honda-Zeit und seine Begegnungen mit den damaligen Rennfahrern machten ihn zu einem gefragten Zeitzeugen.

2007 wurde Jim Redman offiziell in die MotoGP Hall of Fame aufgenommen. Damit wurde seine außergewöhnliche Bedeutung für die Geschichte des Motorrad-Grand-Prix-Sports gewürdigt.

Zum 95. Geburtstag

Biographie RedmanJim Redmans Lebensgeschichte ist mehr als die Geschichte eines erfolgreichen Motorradrennfahrers. Sie erzählt von einem jungen Mann, der früh schwere Schicksalsschläge verkraften musste, seine Heimat verließ und in Afrika einen neuen Anfang wagte.

Aus bescheidenen Anfängen entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten Werksfahrer der Honda-Geschichte. Seine sechs Weltmeistertitel, 45 Grand-Prix-Siege und sechs Erfolge bei der Tourist Trophy sprechen für sich.

Er gehörte zu jener Generation von Rennfahrern, die den internationalen Motorradrennsport in den 1960er-Jahren entscheidend prägten. Gemeinsam mit Fahrern wie Mike Hailwood, Luigi Taveri und Phil Read erlebte er eine Zeit, in der technische Innovationen, immer höhere Motorleistungen und große persönliche Risiken den Grand-Prix-Sport bestimmten.

Am 8. November 2026 wird Jim Redman 95 Jahre alt. Ein herzlicher Glückwunsch an einen der ganz Großen der Motorrad-Rennsportgeschichte!



Fotos: Archiv Frohnmeyer, Rolf Eggersdorfer, Rolf Korrmann, Moto-Foto, Ad Berger, Archiv Redman


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